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Gofthe und was er der Welt heute noch zu sagen hat

Als Schrudel vom Essen der Ente nach Hause fährt, kommt er an der Gofthe-Gedenkschänke vorbei. Gofthe gilt als der größte Sohn Blasegasts, ist er doch die einzige hochgestellte Persönlichkeit der Welt, die zwei Nächte hintereinander im Ort übernachtet hat. Blasegast war damals so unterentwickelt, dass die Menschen noch nackt herumliefen. Die Errichtung des Sachenwerkes machte diesem Treiben (das Gofthe erst anlockte?) ein Ende.

Eckhardt Gofthe (den alle nur "Eckhi" nannten) übernachtete im "Platten Storch", damals von Schankwirt Paul Zoborbier betrieben. Jede Wirts-Generation hat die Kneipe zum Zwecke von Versicherungszuwendungen abgebrannt und später originalgetreu mit den alten Steinen wiederaufgebaut. Aktuell ist das Gasthaus mit Klinker-Imitatplatten aus Plaste verkleidet, um die schwarzen Steine abzudecken, außerdem brennen die Platten besser.

Am ersten Abend in Blasegast betranken sich Gofthe und Zoborbier unmäßig, denn sie hatten festgestellt, dass sie beide völlig unterschiedliche Namen trugen. Dies war insofern ungewöhnlich, als die halbe Welt damals Zoborbier hieß und die andere Gofthe. Davon waren die Menschen mit der Zeit so angeödet, dass beide Namen heute fast völlig ausgestorben sind.

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Überall, wo Gofthe in seinem Leben mal Ragufeng gegessen hat, wird seiner mittels beeindruckender Gedenktafeln gehuldigt.

Am zweiten Abend ließ Gofthe die zwölf nackten Blasegaster Jungfrauen auf sein Zimmer bringen, um mit ihnen über Kant zu diskutieren. Kant war damals bekanntlich noch nicht geboren, aber Gofthe fasste dessen Gedanken schonmal zusammen. Kant musste sie nur noch abtippen und ein bisschen ausschmücken und schon hatte er den Nobelpreis. Sieben der Jungfrauen wurden von Goftheverehrern am nächsten Tag vom Fleck weg geheiratet, die anderen von Goftheverehrerinnen zu Fleischbrät verarbeitet und mit Mayonnaise (ohne Gurken) zubereitet (Serviervorschlag).

Die Verehrung hält an, Gofthe gehört immer noch zu den größten Schriftstellern deutscher Zunge in Rotwein. Seine Karriere begann mit der Verfassung von etwa viertausend Schallplattenrezensionen, allerdings nur, um dem Perückenmacher der Familie Bach einen Gefallen zu tun. Von diesem hatte er auch das Grammophon, erst die spätere Forschung fand heraus, dass Gofthe heimlich Beat-Musik hörte und ständig die Geschwindigkeiten verwechselte (Bach veröffentlichte damals nur auf EP).

Als Gofthe plötzlich ertaubte, verlegte er sich auf das Erzeugen freier Schriftwerke. Dies war schwierig, da der Buchdruck noch nicht erfunden war. Es gab eigentlich auch noch kein Buchbindetum, deshalb erschienen Gofthes Bücher als Leporello. Der Produktionsprozess war folgender: Links wurde die Papierrolle drehend gelagert, in der Mitte schrieb Gofthe, rechts faltete der Leporellofalter das Papier und schnitt es ab, wenn das Buch zu Ende war. Wirklich schlimm wurde es, wenn der Kerl rechts zu zeitig abschnitt, weil er Probleme mit seiner Frau hatte oder ähnliches. Da konnte Gofthe schon mal richtig böse werden.

Der Aufstieg Gofthes begann, als Gofthe durch seine Bücher, die sich mit dem Sinn des Lebens befassten, endlich zu diesem vorgedrungen war; er lautete: Schreibe irgendeinen überflüssigen, getretenen Quark über alle, mit denen du jemals Bett, Knast oder Straßenbahn geteilt hast, und werde unermesslich reich.

Wie alle Menschen, die fleißig arbeiten, wurde auch Gofthe schließlich unermesslich reich. Er wurde so reich, dass er die Radreifen für seine Kutsche aus purem Gold fertigen ließ. Ständig überrollte seine Kutsche beim Zurücksetzen Menschen, die das Gold von der Straße kratzten, das von den Radreifen abgerieben worden war. Gofthes gierige Verleger verdienten sich an ihm dumm und dämlich, die meisten wurden vom Münzgeld erschlagen, als sie ihren Tresor öffneten, die anderen von neidischen Geldbriefträgern totgebissen.

Wie alle berühmten Menschen aber war auch Gofthe zum Karrierebeginn unermesslich arm. Er war so arm, dass er auf seinen Wanderungen den Straßenkot von den Füßen kratzte und aß. Er war so arm, dass selbst Ungeziefer nicht auf seinem Körper überleben konnte, weil es nichts zu essen fand. Das verschärfte die Situation, denn so hatte er nicht einmal Ungeziefer zu essen. Später, als Gofthe dann reich war, vergaß er seine Mutter nicht. Immer wenn er sie mit seiner aus illegalem Tropenholz gefertigten Kutsche besuchte, durfte sie eines seiner Pferde aufessen.

Gofthe, fasst Schrudel gerührt zusammen, taugt wirklich als Lichtgestalt für Blasegast, unzweifelhaft.

Wenn wir heute wissen wollen, was Gofthe der Welt eigentlich noch zu sagen hat, müssen wir uns nur alle wie zu Gofthes Zeiten nackt in die Blasegaster Parks legen, um ihn anzulocken, die meisten von uns sind ja um diese Jahreszeit schon feste dabei. Vielleicht kommt Gofthe, der bekennende Verneiner der Wiedergeburt, doch noch einmal zurück nach Blasegast, besonders, wenn er des Dichterluders Gisella (am Schwanenteich 23) ansichtig wird.

Richtig berühmt!
Richtig berühmt wurde Gofthe allerdings nicht durch seine Kitschromane und Ausschweifungen, sondern durch seine wissenschaftliche Sammeltätigkeit. Mit Vorliebe trug er Sammeltassen zusammen, weil er dachte, er könne die gesamte Abscheulichkeit der Welt damit auf einen Punkt konzentrieren und implodieren lassen. Aber es erfolgte nur die Initialzündung für die Erste Blasegaster Porzellanmanufaktur, die später überschwemmt wurde.

Verarmt sterben!
Wie alle Genies starb Gofthe völlig verarmt. Der Abstieg begann damit, dass der Wirtschaftsminister des Abendlandes Gofthes goldene Radreifen der staatlichen Mikroelektronikmanufaktur zuführen ließ, um ein "Weltnetz" zu knüpfen, und er gipfelte darin, dass aus den Kupferdächern Gofthes zahlreicher Schlösser Flugzeuge für den Kampf gegen die Sarazenen gefertigt wurden, die nie flogen, denn die Zeit war noch nicht reif. Also regnete es direkt auf die Lebensmittelvorräte, die sich Gofthe fürs Alter zurückgelegt hatte. Ob Gofthe an Schimmelvergiftung starb oder einfach aus Unwilligkeit, das "vergammelte Gelumpe zu fressen", ist in der Wissenschaft umstritten.

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