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Blasegast? Was ist Blasegast?
Gechichte

Der Aborterker ist ausgekragt

Die Crew verlässt das Negative U-Boot im Duo. Ohne großes Aufheben (großen Aufhebens bzw. großem Aufhebem) fährt der blinde Herr Schrudel die exorbitante Strickleiter hinunter, von der es in einem Lied der bekannten Popkombo "Lädiertes Negatives U-Boot" heißt: "Strickleiter zum Himmel, tralala, usw. usf.".

Gisella neben dem steuerknüppelnden Schrudel lässt es sich nicht nehmen, ihre Kusshand in eine anwesende Menge zu schleudern, großteils Touristen, vielleicht sogar aus der weiteren Welt, die sich an der für begeisterten Mob reservierten "Brühlschen Ekstase" von Blasegast zufällig zusammengefunden haben und das in den Stürmen der Reise von der Rhön ziemlich verschmutzte Negative U-Boot so anstarren, wie der gebildete Fremde die Gemeine Deutsche Rübe rezipiert: endlose Fassungslosigkeit.

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In der Rhön: Mobilität ist Ehrensache!

Oma Steckwurst ziert sehr aufrecht die Ablage. Koko, der Dackel, den alle nur Schaboffski nennen, tollt ausgelassen um die lustige Fuhre herum.

Als letzter steigt der böse Klempner Patzschke herab, mehrmals laut genug ausrufend, damit es auch die Harthörigsten gebührend zu würdigen wissen: "Der Kapitän verlässt als letzter das Schiff!" Die Umstehenden aber sind wie so oft östlich-beschissen drauf und meckern nur: "Mäh, das soll ein Kapitän sein, so mickrig, dreckig und fad, und ein richtiges Riverboat ist das auch nicht, sieht ja eher aus wie ein Bläh-Ballon, mäh!"

"Moment mal, was denn nu?" brüllt Schrudel entsetzt, als er den heimischen Mief durch die Nüstern zieht. "Ich denke, die Reise ging in die Rhön? Was ist mit der Rhön? So ein Aufheben (Aufhebens, Aufhebem) mit diesem blöden Negativen U-Boot, pipapo, und plötzlich ist man wieder in diesem stinklangweiligen Blasegast, ich hatte mich auf vier Monate Rhön gefreut, mindestens, mit dem Rhönschaf, der Familie vom bösen Klempner Patzschke, den hohen Bergen mit all der schönen Natur drauf, Zwergen, Grillwurst, das gips wohl jetzt gar nicht???" Schluchz.

"Ach Schrudelchen", tröstet Gisella und rückt auf der Kunstlederbank quietschend nach links, "vielleicht ist das wohlmeinende Vorsehung, dass wir wieder zu Hause sind, wo doch eben in den Rhönschulen die Usbekisch-Olympiade mit verheerenden Folgen für die Rachenfauna außer Kontrolle geraten ist!"

"Ich möchte doch auch nur mal kucken, wie die Söhne der Großen Bärin in den Schluchten der Rhön herumtollen", spricht Schrudel gepflegt. "Mir fehlt langsam die Phantasie, mir immer alles nur vorzustellen. Wozu zahle ich Krankenkasse, wenn ich bloß in diesem unendlich langweiligen, penetranten und blöden Blasegast mit dem Duo rumgurken darf, auch wenn es sehr schön ist, dass du hier drüben sitzt und mich mit deinen Küssen exaltierst, außer, dass wir gleich umkippen."

Das war der längste Text in Schrudels bisheriger Existenz, das gibt eine Belohnung: "Ein Wunder! Ich kann die Große Bärin sehen!" (Es ist zwar nur Gisella, aber er muss sich ja erstmal gewöhnen.)

Interessante lange Minuten später auf der holprigen Bismarckstraße, wo Schrudel krampfhaft versucht, an Fußball zu denken, noch eine Frage: "Wie geht das denn nu mit dem Boot? Kann mir das mal jemand erklären?"

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Das Auskragen eines Aborterkers will gelernt sein!

Ja. Das Negative U-Boot ist bekanntlich so groß (so wahnsinnig groß), dass es von Blasegast bis zur Rhön reicht. Diese Tatsache ermöglicht es den Protagonisten, an beiden Orten gleichzeitig zu sein. Man könnte sogar so weit gehen zu behaupten, das Negative U-Boot existiere an sich gar nicht, sondern stelle nur die metaspezifische Schrudelwelt dar, die gleichzeitig in Blasegast und Rhön stattfindet (wenn das Gerät korrekt ausgerichtet ist). Dies wäre dann nicht nur die schnellste und bequemste Art zu reisen, es würde der Schrudel-Kamarilla auch einen nicht unbeträchtlichen Vorsprung gegenüber Lokalredakteurin Obergohsel ("Ich muss rescherschieren!") verschaffen. (Der Getränkehändler erlaubt sich, untertänigst darauf hinzuweisen, dass der Drehpunkt (Angelpunkt) des Negativen U-Bootes in Machern befindlich ist.)

Aha. Gisella rückt zufrieden nach rechts. Doch noch ein schöner Tag! Nu nach Hause! Denn nirgends ist es schöner als im Steckwursthaus, wenn die Studenten ihre Abreibung gekriegt haben und Schrudel schwarze Steaks auf dem Grill wendet. Im Steckwursthaus, von dem es im offiziellen geschichtlichen Abriss von Blasegast nicht ohne Stolz heißt, dass es sich als eines der wenigen erhaltenen Kapitalisten- und Blutsaugerhäuser durch einen ausgekragten Aborterker auszeichnet, dem allerdings keine sachgemäße Benutzung mehr widerfahre.

Jetzt fällt dem Schrudel auch noch die Grillwurst runter! Schnell aufheben (aufhebens, aufhebem)!

Ende